
Die Technik steckt inzwischen in fast jedem modernen Smartphone, doch viele wissen gar nicht, wie vielseitig sie ist: NFC („Near Field Communication“) erlaubt den drahtlosen Datenaustausch über kurze Distanzen – meist nur wenige Zentimeter. Bekannt ist NFC vor allem durch kontaktloses Bezahlen per Handy oder Smartwatch. Doch die Möglichkeiten gehen weit darüber hinaus – vom Ticketkauf über Zutrittskontrollen bis hin zu Chip-Implantaten unter der Haut.
Was macht NFC besonders?
Im Gegensatz zu WLAN oder Bluetooth ist bei NFC keine manuelle Kopplung nötig. Sobald zwei kompatible Geräte nah genug aneinandergehalten werden, verbinden sie sich automatisch. Das spart Zeit und macht den Datenaustausch unkompliziert.
NFC kann sowohl aktiv (mit eigener Energiequelle) als auch passiv (ohne Stromversorgung, z. B. über Tags in Armbändern oder Schlüsselanhängern) genutzt werden. Passive Chips beziehen die nötige Energie direkt aus dem elektromagnetischen Feld des Lesegeräts. Funkfrequenz: 13,56 MHz, mit einer Datenrate von bis zu 424 kBit/s – langsam im Vergleich zu WLAN, aber völlig ausreichend für die meisten Anwendungen.
Vielfältige Einsatzmöglichkeiten
- Bezahlen per Handy oder Karte: Im Supermarkt einfach das Smartphone oder die Kreditkarte an das Terminal halten – fertig. In vielen Ländern längst Alltag, in Deutschland noch auf dem Vormarsch.
- Digitale Tickets: Konzert- oder ÖPNV-Karten können direkt aufs Handy geladen und am Eingang per NFC gescannt werden.
- Schlüsselersatz: Ob Haustür, Hotel oder Büro – NFC kann klassische Schlüssel oder Karten ersetzen. Firmen wie iLOQ bieten schon heute komplette Zutrittssysteme an.
- Tourismus & Info-Points: In vielen Städten sind NFC-Säulen aufgestellt, die Infos zu Sehenswürdigkeiten oder interaktive Stadtpläne aufs Handy übertragen.
- PC-Sicherheit & Zeiterfassung: NFC-Tags können als Login-Lösung oder moderne Stempelkarte genutzt werden.
- Interaktive Werbung: Plakate mit NFC bieten Zusatzinfos, Links oder gleich den Ticketkauf für ein Event.
- NFC-Implantate: In Schweden experimentieren Biohacker damit, Chips unter die Haut zu setzen – etwa für Visitenkarten, Türöffner oder medizinische Notfalldaten.
NFC und Datenschutz
Die kurze Reichweite gilt als Sicherheitsvorteil – heimliches „Abgreifen“ aus größerer Entfernung ist praktisch unmöglich. Dennoch gibt es Risiken: Forscher wie das TU-Darmstadt-Projekt NFCGate zeigten, dass Zahlungen manipuliert werden könnten. In der Praxis ist dies aber kaum relevant.
Besonders umstritten waren die NFC-basierten Geldkarten der Sparkassen: Sie speicherten Transaktionsdaten, die theoretisch ohne PIN ausgelesen werden konnten. Schutz boten Alu-Hüllen oder schlicht das Portemonnaie mit Münzen. Heute setzen Banken auf aktualisierte Systeme mit mehr Sicherheit.
NFC vs. RFID – der Unterschied
NFC ist eine Weiterentwicklung von RFID, unterscheidet sich aber in einem zentralen Punkt: Während RFID meist nur aus einem aktiven Leser und einem passiven Tag besteht (z. B. in Pässen oder Zugangskarten), erlaubt NFC Peer-to-Peer-Verbindungen. Dadurch können zwei Smartphones direkt Daten austauschen – ein Grund, warum NFC in allen großen mobilen Betriebssystemen (Android, iOS) fest integriert ist.
