
Fast alle modernen schnurlosen Festnetztelefone nutzen heute den DECT-Standard – eine Technik, die weit mehr kann, als nur kabelloses Telefonieren zu ermöglichen.
Ursprung und Einsatzzweck
„Digital Enhanced Cordless Telecommunications“ (DECT) wurde ursprünglich entwickelt, um Telefone ohne Kabelanschluss ins Festnetz zu bringen. Mittlerweile dient der Standard aber auch für andere Anwendungen, etwa zur Steuerung von Smart-Home-Geräten in Wohnungen und Büros. Für breitbandiges Internet ist DECT hingegen keine Konkurrenz zu WLAN – es ergänzt vielmehr die etablierten Funknetze.
Mit CAT-iq, einer Erweiterung von DECT, können zudem Internetdienste integriert werden, etwa Internetradio. Für besonders stromsparende Anwendungen wie smarte Sensoren wurde zusätzlich DECT ULE (Ultra Low Energy) geschaffen.
Kritik wegen Strahlung
In den Anfangsjahren geriet DECT wegen seiner Dauerstrahlung in die Kritik: Basisstationen funken auch im Ruhezustand mit voller Leistung. Das Bundesamt für Strahlenschutz äußerte sich bereits früh skeptisch.
Hersteller reagierten mit neuen Modi, die die Sendeleistung verringern – etwa „Eco“, „Eco+“ oder „Full Eco“. Da diese Begriffe nicht geschützt sind, kann die tatsächliche Wirkung allerdings variieren.
So funktioniert DECT technisch
DECT ist im Prinzip ein Mobilfunksystem im Kleinformat. Eine Basisstation (Fixed Part) verbindet sich mit einem oder mehreren Mobilteilen (Portable Part). Viele Router besitzen mittlerweile eine integrierte DECT-Basis, sodass oft nur noch eine Ladestation benötigt wird.
Mehrere Basisstationen lassen sich zusammenschalten, um größere Gebäude zu versorgen. Dank Handover wechselt ein Gespräch dabei nahtlos von einer Funkzelle zur nächsten – vergleichbar mit dem Mobilfunknetz.
- Frequenzbereich in Europa: 1880–1900 MHz, exklusiv für DECT reserviert
- Zehn Trägerfrequenzen mit 24 Zeitschlitzen = bis zu 120 parallele Kanäle
- Reichweite: ca. 50 m in Gebäuden, bis zu 300 m im Freien
- Sendeleistung im Mittel: nur rund 10 mW, trotz Nennleistung von 250 mW
Von den 1990ern bis heute
Die Entwicklung begann Ende der 1980er-Jahre durch das ETSI. 1992 kamen die ersten Geräte auf den Markt – etwa die Siemens-Gigaset-Reihe, die sich schnell zum Bestseller entwickelte. Ein weiterer Meilenstein war 1994 das Generic Access Protocol (GAP), das Geräte verschiedener Hersteller kompatibel machte. Heute gilt GAP-Kompatibilität als Pflicht.
