Unter All-IP versteht man die Vereinheitlichung von Telekommunikationsdiensten auf Basis des Internet-Protokolls (IP). Klassische Leitungsvermittlung gehört damit der Vergangenheit an – Telefonie, Fernsehen oder auch Mobilfunk laufen stattdessen über paketvermittelte Netzwerke, wie man sie aus dem Internet kennt. Besonders im Festnetz hat sich diese Technik inzwischen als Standard etabliert, während alte Analog- und ISDN-Anschlüsse so gut wie verschwunden sind.

Was bedeutet All-IP konkret?

Das Konzept ist eng verwandt mit dem Schlagwort Next Generation Network (NGN), das früher gern als Marketing-Begriff für Triple-Play-Angebote genutzt wurde: Telefon, Internet und TV aus einer Hand. Bei Kabelnetzen spricht man von Voice over Cable (VoC).
In der Theorie könnte All-IP sogar ortsunabhängige Nutzung von Diensten ermöglichen. In Deutschland untersagt die Telekom jedoch, eine Festnetznummer außerhalb des zugeordneten Anschlusses zu verwenden – hier sind nur freie VoIP-Anbieter oder Messenger-Dienste flexibel.

Vorteile für Netzbetreiber – und Kunden

Für Anbieter bedeutet die Technik vor allem: weniger Kosten. Stromversorgung über die Telefonleitung entfällt weitgehend, Wartungsaufwand sinkt, und neue Anschlüsse lassen sich oft per Fernaktivierung freischalten – ein Techniker muss nicht mehr zwingend vor Ort erscheinen.
Auch Kunden profitieren: Mehrere Rufnummern und Sprachkanäle sind meist ohne Zusatzkosten enthalten, und HD-Telefonie liefert eine deutlich bessere Sprachqualität.

Die Kehrseite von All-IP

Mit der Verlagerung auf IP kommen aber auch Nachteile:

  • Ohne Strom zuhause funktioniert kein Telefon mehr – ein Risiko gerade im Notfall.
  • Ältere Alarmanlagen oder Notrufgeräte mussten angepasst oder ersetzt werden.
  • Fällt das IP-Netz aus, sind oft gleich mehrere Dienste gleichzeitig betroffen. Früher war Telefonie bei einem Internetproblem oft noch möglich.

Dauerhafte Umstellung bei der Telekom

Die Deutsche Telekom hat ihre All-IP-Migration bis Ende 2020 abgeschlossen. Zuerst wechselten Breitbandkunden, danach reine Telefonanschlüsse, zuletzt Sonderlösungen wie Hausnotrufsysteme. Alte Telefone funktionieren aber weiter: Analoge Geräte lassen sich per TAE-Buchse am Router anschließen, ISDN-Geräte über die S0-Schnittstelle – auch wenn neuere Router-Modelle diese teilweise schon streichen.

Fazit

All-IP hat die Telekommunikation vereinheitlicht und günstiger gemacht, bringt aber auch Einschränkungen bei Stromausfällen oder Netzstörungen. Während Netzbetreiber die Technik als Erfolgsmodell feiern, sollten Kunden vor allem bedenken: Ohne Router läuft am All-IP-Anschluss gar nichts mehr.

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