Die deutsche Telefonlandschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Veränderungen erlebt – und mit ihr auch zahlreiche Vorwahlen, die heute längst Geschichte sind. Manche erinnern sich noch an die „0900er-Hotlines“ oder die Gratisnummern mit 0130. Andere Vorwahlen wie 012 oder 01888 sind vielen kaum noch ein Begriff. Zeit also für einen Rückblick auf die Nummern, die verschwunden sind – und welche Funktion sie einst hatten.

011: Dienste der Bundespost

Unter der Vorwahl 011 bot die Deutsche Bundespost verschiedene Informations- und Serviceangebote an, darunter Telegrammaufgabe, Störungsmeldungen oder Ansagen zu Wetter und Kinoprogrammen. Viele dieser Dienste sind später in modernere Hotlines oder Online-Portale überführt worden.

012: Die „innovativen Dienste“

In den 1990er-Jahren wurde die 012er-Vorwahl für neuartige Services reserviert. Bekannte Beispiele waren Fax- und Sprachmailboxen von GMX oder Web.de. Schnell entdeckten jedoch auch dubiose Anbieter diese Nummern für überteuerte Hotlines. 2011 zog die Bundesnetzagentur die Reißleine – seither ist die 012 nicht mehr aktiv. Als Ersatz für VoIP-Nutzer führte man die 032-Nummern ein.

0130: Kostenlos für den Anrufer

Die 0130 war das Gegenteil der berüchtigten 0190. Mit ihr konnten Anrufer Unternehmen kostenlos erreichen. Ende 2000 wurde sie durch die heute noch gängigen 0800-Nummern ersetzt, ergänzt durch die internationale Variante 00800. Für die angerufenen Firmen bedeutete das allerdings, dass sie die Gesprächskosten vollständig tragen mussten („reverse charging“).

0131: Geheim und nie offiziell

Hinter 0131 versteckten sich Testnummern der Telekom und Einwahldienste für Fax- oder Datensysteme. Für Technik-Fans („Phreaks“) war das eine spannende Spielwiese – offiziell beworben wurde diese Vorwahl jedoch nie.

0137 und 0138: Massenanrufe im TV

Damit Radio- und Fernsehsender Massenanrufe abwickeln konnten, führte man die 0137 ein. Sie ist auch heute noch für Televotings (z. B. „The Voice“ oder Eurovision Song Contest) im Einsatz. Weniger erfolgreich war die 0138, die unter anderem vom Hessischen Rundfunk genutzt wurde. Sie wurde 2016 endgültig abgeschaltet.

Funkrufdienste: 0165 bis 0169

In den 1990ern versuchten mehrere Anbieter, Funkrufnetze zu etablieren. Unter der 0165 startete „Quix“, unter 0166 der Dienst „TeLMi“. Beide verschwanden spätestens 2000 wieder vom Markt – Handys hatten sie überflüssig gemacht. Übrig blieb e*Message, das unter den Vorwahlen 0164, 0168 und 0169 bis heute Funkrufdienste anbietet (z. B. e*Cityruf).

Bündelfunk: 0167

Auch der Bündelfunk bekam mit 0167 eine eigene Vorwahl. Damit sollten bestimmte Funkgeräte aus dem öffentlichen Netz erreichbar sein. Heute spielt diese Technik nur noch regional und in Nischen eine Rolle.

0181 bis 0189: Virtuelle Firmennetze

Eine Zeit lang war es modern, als Unternehmen eine eigene Vorwahl zu besitzen. Unter 0181 bis 0189 richtete man virtuelle private Netze ein – häufig für Banken oder Versicherungen. Ein spezieller Fall war die 01888, hinter der die Bundesverwaltung in Berlin und Bonn erreichbar war. Da sich diese Vorwahlen jedoch kaum durchsetzten, wurden sie größtenteils abgeschaltet.

0180x: Die letzten Überlebenden

Die 0180-Nummern haben sich als einzige dieser Reihe bis heute gehalten. Ursprünglich als „Shared Cost“-Modelle gedacht, zahlen Anrufer dabei nur einen Teil der Kosten. Besonders für Hotlines großer Unternehmen war das attraktiv. Inzwischen sind die Preise für 0180-Nummern stärker reguliert – und wer sparen möchte, findet oft alternative Festnetznummern in speziellen Verzeichnissen.

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